Klassenzusammenkunft
Jahrgang 1957
Jahrgang 1957
Wer ist denn das ?
Name : Madeleine Marti
Geburtstag : 12.07.1957
Zivilstand: Lesbisch, registriert verpartnert
Wohnort : Wolframplatz 12, 8045 Zürich und Depotstr. 46, 3012 Bern
Beruf : Germanistin/Historikerin, Dozentin/Coach in der Erwachsenenbildung,
Mitinhaberin von Kopfwerken GmbH
Mitinhaberin von Kopfwerken GmbH
Hobby : Wandern, mit FreundInnen austauschen, kulturelle Genüsse,
Velofahren (ebike)
Velofahren (ebike)
Mobil :
Mail : marti@kopfwerken.ch
Homepage : www.kopfwerken.ch
Zwischen Sommer- und Herbstferien der 3. Klasse zügelten wir
von Baden nach Ennetbaden an die Goldwandstr. 29, wo wir direkt oberhalb der
Familie Knecht, unserem Primarlehrer, ankamen. Leider gab es sonst keine Kinder
in unserem Alter an der Goldwandstrasse.
In eine neue Klasse zu kommen und FreundInnen zu finden, ist
ja manchmal etwas schwierig. So war ich sehr glücklich, als meine Mutter mich
ermunterte, Ursula Sailer einzuladen (deren Bruder Hans-Peter ihr an der
Haustüre einen Schoggitaler verkauft hatte) und ich damit eine erste Freundin fand.
Später kamen in der Klasse immer mehr dazu. Ein Jahr später erhielt ich das
schönste materielle Geschenk meines Lebens, ein Velo, und damit wurde mein freundschaftlicher
Bewegungsraum grösser bis hin zum Höhtal und zum Fluhweg.
Besonders schöne Erinnerungen an Ennetbaden sind für mich die
Spaziergänge in den Rebbergen und im Wald, samt waghalsigen Kletterpartien,
sowie das Skifahren am Mittwochnachmittag von der Lägern Richtung Höhtal.
Schön an Ennetbaden ist auch die Lage: Sowohl in die Bez
(mit dem Velo) wie auch in die Kanti (mit dem Ciao) war es nicht weit. Und es
war auch nicht weit zur Sporthalle Aue, wo ich mit dem TV Semi Damen begeistert
Handball spielte – und auch viele Spiele von anderen (beispielsweise von
Hansjürg) verfolgt habe.
Als ich mit dem Studium (Germanistik, Geschichte) erstmals
selbständig in eine WG in Zürich umziehen konnte und sogar ein Semester in
Berlin verbringen, ging für mich eine neue Welt auf. Diese Zeit ist auch
verbunden mit meinem Coming Out als lesbische Frau.
Später zog ich nach Wettingen und war - nebst dem Studium
und danach als Lehrerin an der Kanti Baden - im Frauenzentrum Baden sehr aktiv.
Ich bin stolz, dass wir im Frauenzentrum ein paar Jahre feministische Kultur in
Baden geschaffen haben. Allerdings spürte ich an der Kanti Baden, dass die
Rolle als Lehrerin für Jugendliche nicht mein Ding ist.
Eine Passion als Lehrerin hatte ich nur beim Skifahren, wo
ich mit Begeisterung in Skilagern als Skilehrerin gewirkt habe – und später
meine Nichten und die Kinder von Freundinnen auf die Ski gelockt habe.
Obwohl ich nicht wusste, wie ich mich finanzieren könnte,
kündigte ich mit dreissig Jahren meine erste Stelle an der Kanti, um in Hamburg
an meiner Dissertation zu lesbischen Frauen in der deutschsprachigen Literatur
nach 1945 zu arbeiten. Mit Artikeln, Vorträgen und einem Stipendium ging es
dann weiter, irgendwie kam ich über die Runden und nach vier Jahren zum
erfolgreichen Abschluss.
Zurück in der Schweiz wohnte ich zuerst wieder in Wettingen
und seit 1993 in Zürich. Zwei Jahre später habe ich meine grosse Liebe
gefunden, die in Bern wohnt, und mit der ich viele Interessen teilen kann.
Gemeinsam haben wir ein Ferienhaus übernommen und eine GmbH gegründet, ehe wir
uns auch registriert verpartnert haben.
Beruflich habe ich mich mit einem Mix von Anstellung und
selbständigen Tätigkeiten durchgeschlagen. In den letzten zehn Jahren hatte ich
zum Glück eine grössere Anstellung in der Erwachsenenbildung, sodass ich nun
als Rentnerin materiell versorgt bin.
Nun kann ich mich wieder meinem grossen Thema,
der Lesbengeschichte, widmen. Zusammen mit zwei Freundinnen bieten wir in
Zürich Lesbenspaziergänge zu verschiedenen Themen an, organisieren
Veranstaltungen zu Literatur und Geschichte und bauen ein lesbisches Wiki für
die Schweiz auf. Zudem habe ich zu zwei Pionierinnen der Lesbenforschung, Ilse
Kokula und Luise F. Pusch, einen Film gedreht. Als letztes habe ich den Text
«Anders als die Andern» von Ida Erne herausgebracht, eine lesbische Geschichte
aus den 1950er Jahren. Soeben ist die Geschichte auch auf Französisch
erschienen. Ich freue mich auf alles, was noch kommt
Filme von Madeleine Marti: